Sehr geehrte politisch Verantwortliche,
es ist für mich unverständlich "bei Gefahr im Verzug" Antibiotika gegen Feuerbrand weiterhin zuzulassen.Dr. Friedhelm Berger
Feuerbrand - Perspektiven mit ganzheitlichen
und langfristigen Lösungen
Die heimtückische Bakterienkrankheit hält zurzeit die ganze Schweizer Obstbranche in Atem. Vielen betroffenen Obstbauern sitzt der Schock noch tief. In den bisher freien Gebieten weiss keiner, wann die Baumseuche auch über ihn hereinfällt. Verzweifelt sucht die Branche nach effizienten Bekämpfungsmitteln. Folgeschäden sollten dabei möglichst klein sein.
Als Favorit steht momentan das Antibiotikum Streptomycin hoch im Kurs. EU-weit ist dieses Mittel zwar verboten, ungeachtet dessen haben sich Deutschland und Österreich Sondergenehmigungen erteilt unter kontrolliertem Einsatz. In einigen Ländern wird Streptomycin illegal eingesetzt. Die Schweizer Obstbranche setzt nun alle Hebel in Bewegung, damit die Bundesbehörden auch in der Schweiz diesen Einsatz bewilligen.
Resistenzen bei AntibiotikaBei Streptomycin darf es sich aber höchstens um eine zeitlich kurz befristete Zulassung handeln, so quasi als Erstschlag gegen die Baumkrankheit. Die Risiken um die Resistenzbildungen und die Rückstände in unseren Nahrungsmitteln sind zu gross. Bedenklich ist vor allem der "horizontale Gentransfer", das heisst, dass Bakterien verschiedener Arten in der Lage sind, ihre Resistenzgene auf andere Bakterien zu übertragen. In den USA, wo das Bakterium ursprünglich herkommt und schon seit über 200 Jahren bekannt ist, sind heute praktisch alle Feuerbrandbakterienstämme gegen Streptomycin resistent (Aussage von Michael Teuber – Lebensmittel-Mikrobiologe der ETH Zürich - zu lesen in der täglichen Web-Zeitung der ETH Zürich am Montag 20. August !) Während eines telefonischen Kontakts hat mir Herr Teuber erklärt, dass an diversen Orten in den USA nachfolgend eingesetzte andere Antibiotika auch schon Resistenzen zeigen. Weitere Feuerbrand-Bakterien-Resistenzen sind auch aus Neuseeland und den Niederlanden bekannt. Streptomycin ist auch ein Mittel in der Humanmedizin, das wegen weitgehend bestehenden Resistenzen nur noch marginal eingesetzt werden kann.
Löschkalk: die AlternativeAn der am 14. August durchgeführten Feuerbrand-Exkursion nach Deutschland konnten sich die rund 40 Teilnehmer davon überzeugen, dass mit dem seit Jahrtausenden bekannten Löschkalk - wenn er richtig angewendet wird - die Feuerbrandkrankheit völlig eingedämmt und unter Kontrolle gehalten werden kann.
Löschkalk wirkt über den hohen pH-Wert von 12,4, hinterlässt keine toxischen Rückstände und bekämpft gleichzeitig die meisten Pilz-, Bakterien- und Virenkrankheiten, soweit sich diese an der Oberfläche befinden.Er ist zugleich ein Boden- und Blatt-Düngemittel. Tierische Schädlinge werden über deren Atmungsorgane abgetötet. Der einzige negative Aspekt ist, dass auch die tierischen Nützlinge mitbetroffen sind. Den gleichen Effekt bewirken aber auch Schwefelkalke, Kupferpräparate und Pyretroide.
Löschkalk wirkt solange er als Löschkalk vorliegt und pH 12,4 hat. Erfahrungsgemäss dauert die Umwandlung 2 – 3 Stunden. Eine Rückcarbonatisierung durch chemische Verbindung mit CO2 aus der Luft führt rasch zu einer Reduktion des pH-Wertes, weil Karbonatkalk entsteht. Eine Kontrolle des pH-Wertes vor der Anwendung ist deshalb unabdingbar.
Löschkalk ist darüber hinaus das mit Abstand günstigste Mittel gegen Feuerbrand. Ohne Zusatzstoffe kann man es in jedem Baumarkt kaufen zu ungefähr Fr. 10.-/25 kg. Die Anwendung im Spritzverfahren benötigt 3–5 kg/ha mit 1'000 l Wasser, im Verblaseverfahren 20-30 kg/ha.
Lebensbedingungen des BakteriumsDas Feuerbrandbakterium kann sich auf allen Zuckern ernähren. Folglich bieten jede nektarbildende Blütenpflanze und aller von Blattläusen und Blattsaugern produzierte Honigtau für das Bakterium Nahrung. Es kommt nicht nur auf kernenbildenen Rosaceen wie Apfel, Birne, Quitte, Weissdorn, Cotoneaster und Sorbusarten vor, es lebt auch auf andern Bäumen, Sträuchern und Kräutern, nur kommt es dort seltener oder gar nicht zum Krankheitsausbruch. Das Bakterium ist also allpräsent. Ob es auf den genannten Pflanzen zum Ausbruch von Blütensymptomen kommt, hängt weitgehend mit Infektionsbedingungen (Temperatur und Feuchtigkeit) zu deren Blütezeitpunkt ab, da das häufigste Eindringen in die Pflanzen über die Blüte geschieht. Zusätzlich ist der Düngezustand der Pflanze für das Auftreten der Krankheit von grosser Bedeutung.
BekämpfungsstrategieSo schnell und so leicht werden wir das Feuerbrand-Bakterium nicht ausrotten können. Wir werden lernen müssen, mit ihm zu leben. Eine längerfristig nachhaltige Bekämpfung werden wir nur führen können, wenn wir das Bakterium auf allen potenziellen Cankerträgern erfassen und nicht nur in Niederstamm-Intensivanlagen. Aufgrund der Erkenntnisse aus der Exkursion nach Deutschland sieht mein Vorschlag wie folgt aus:
Auf kommunaler Ebene werden Verantwortliche (Obstbauern, Landwirte, Gärtner etc.) bestimmt, die gegen Entlöhnung flächendeckend alle erhaltenswerten Obstbäume (Hoch- und Niederstämme) zur Infektionszeit behandeln. Zum Einsatz gelangen unbedenkliche Mittel wie Löschkalk oder andere, sofern sie eine ebenso hohe Wirksamkeit aufweisen. Die Kosten werden vom Bund und Kanton übernommen, anstelle der Beiträge für Rodungen, die dann nicht mehr nötig sind. Bäume mit Feuerbrand-Krankheitssymptomen müssen rasch zurückgeschnitten werden.
Gute Ergebnisse wurden mit dem Hefe-Produkt "Blossom-Protect" erzielt. Es zeigt aber Berostungen an den Früchten und ist deshalb nur für Mostobst einsetzbar.
Bäume, die aus irgendwelchen Gründen kränkeln, schüttere Kronen aufweisen und an Absterben sind, müssen rasch entfernt werden, da gerade diese unvermutet häufig Cancerträger sind. Dies betrifft vor allem alte Mostbirnbäume, die halbverdorrt in der Landschaft stehen und in der Ostschweiz zurzeit häufig anzutreffen sind. Sie mitzubehandeln, wäre wohl zu aufwendig, obwohl auch sie einen ökologischen Wert darstellen.
Daraus würde ein mehrfacher Effekt resultieren:Die effizienteste Hilfe im Kampf gegen den Feuerbrand könnten Antagonisten (Bakterien und Viren, die andere Bakterien vernichten) leisten. Ein wirksamer und im grossen Stil zu vermehrender Antagonist ist aber im Moment noch keiner gefunden, der keine gesundheitlichen Bedenken auslösen würde.
Aufruf an EntscheidungsträgerIch gelange deshalb mit der eindringlichen Bitte an Sie, geschätzte Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Fachberatung und Praxis, eine ganzheitliche, langfristige und effiziente Sichtweise unter Einbezug der aufgeführten Argumente im Kampf gegen den Feuerbrand umzusetzen. Mit nur einseitig ausgerichteten Massnahmen werden wir weder den Feuerbrand eindämmen, noch altes Kulturgut, eine bereichernde Sortenvielfalt und intakte Landschaften erhalten können.
Verantwortungsbewusstes Handeln und längerfristige Denkweise sprechen unabdingbar gegen jeglichen grossflächigen Einsatz von Antibiotika. Versuchen wir es mit unproblematischen Mitteln wie Löschkalk, obwohl dieser aufgrund von Versuchsergebnissen als zu wenig wirksam deklassiert wird. Die mittlerweile über 6 Jahre gezielte Anwendung auf dem besuchten Praxisbetrieb zeigt uns einen 100%igen Erfolg, ohne Blütenausfälle und ohne Berostungen an den Früchten.
Die bisherigen Versuchsanordnungen, auf die sich die Fachwelt immer wieder beruft, bedürfen einer gründlichen Überprüfung was Ausbringung, Anwendungszeitpunkt und pH-Wert anbelangt. Seien wir offen gegenüber Erfahrungen von Leuten, die sich über Jahre intensiv damit beschäftigt haben! Lösen wir nicht erfolgversprechende, praxiserprobte Ansätze in persönlichen Aversionen oder einseitigen Interessen auf.
Ich erachte es als dringliche Aufgabe des Fibl (Forschungsinstiut für biologischen Landbau in Frick) oder der ACW (Agroscope Changin Wädenswil) für die noch fehlende Zulassung von Löschkalk als Pflanzenschutzmittel sofort besorgt zu sein, damit im nächsten Frühjahr sowohl Bio- als auch IP-Betriebe ungehindert die Möglichkeit haben, das vielversprechende Produkt einzusetzen.
Überlassen wir durch unser jetziges Handeln nicht künftigen Generationen unlösbare Probleme!
Für Kontakte und Informationen stehe ich gerne zur Verfügung.Heinrich Gubler-Merz
Unterdorfstr. 5
8507 Hörhausen
Tel. 052 762 73 73
Fax 052 762 73 70
E-Mail: skigubler@bluewin.ch
Als Entwickler des Pestizid freien Pflanzenbaus, bin ich nun froh, dass Herr Heinrich Gubler-Merz mit seiner Gruppe aus der Schweiz am 14.08.2007 sich überzeugen konnten, dass meine Aussagen bei meinen Feuerbrandvorträgen in der Bodenseeregion am 07.07.2007 im Kanton Thurgau und am 13.04.2007 im Land Vorarlberg und am 06.12.1999 im Kanton Sankt Gallen der Wahrheit entsprachen. Ich möchte mich deshalb ganz besonders für sein Engagement und seine Politiker Aufklärung in der Schweiz und bei den beiden besuchten Betrieben für ihre Öffentlichkeitsarbeit bedanken.
Es wäre schön, wenn die Pflanzenschutz Hoheiten bzw. Behörden dies zur Kenntnis nehmen würden. EU weit und in der Schweiz zugelassene Düngemittel dürfen von jedem eingesetzt werden und bedürfen keiner Pestizid Zulassung. Wenn man als Pflanzenbauer handelt und physikalische Grundkenntnisse umsetzt, dann sind Krankheiten kein Problem mehr. Somit erhalten wir auch die landschaftsprägenden Streuobstbäume.
Bisher wurden die Forschungsgelder nur in Richtung Pestizidforschung und Pestizidlehre gesteckt. Alternative Vorträge im Pflanzenbau wurden von offiziellen Stellen nur mit Fahrtkostenzuschuss honoriert, somit kommt der Verdacht auf, dass es nur Alibieinladungen gewesen sind. Gerade deshalb müsste es nun doch an der Zeit sein, nach bewiesenen Erfolgen, dies der Praxis zu lehren und öffentlich zu fördern.
Dr. Friedhelm Berger
ich bin bestürzt wie wenig Fachkompetenz bei den Agrarkollegen in Hessen und BBA Dossenheim vorliegt, wenn Feuerbrandcanker nicht sofort erkannt werden!
Es kann doch wohl nicht sein, dass weiterhin für Forschung Geld ausgegeben wird, wenn die Ursachen schon seit 1992 durch meinen damaligen Doktorvater Prof. Dr. Zeller, damals BBA Dossenheim und mich publiziert wurden. Dann von rätselhafter Kankheit zu sprechen, ist ein Hohn, da müssten ein paar 'Fachkräfte' des Amtes enthoben werden und durch fähigere ersetzt werden!
Es sind einfach Feuerbrand - Canker. Oberhalb der Canker verfärben sich die Blätter. Auf saurem Boden in rot und auf basischen Boden in gelb. Die Blattverfärbung ist vergleichbar, als ob ein Bindedraht einwächst und damit das Gewebe abstirbt.
Streuobstbäume sind genauso Wirtspflanzen wie Erwerbsobstbäume. Sie müssen gepflegt werden. Auch dies ist seit Jahren bekannt.Die Pflanzenschutzkollegen wollen aber Drittmittel bekommen und nicht das Problem lösen. Man muss ja möglichst lange die Milchkuh melken können! Es zeigt sich auch, dass die Ansicht von bestimmten Umweltverbänden in Streuobstbeständen nichts zu tun und auch nicht zu düngen falsch ist. Seit 1999 setzen Obstbaukollegen und ich gezielt Blattdüngung ein. Dadurch konnten und können wir vollkommen auf Pflanzenschutzmittel verzichten! Die Pflanzenschutzprobleme sind ohne Rückstände zu verursachen gelöst!
Der Einsatz von Düngemittel über das Blatt in ausreichender Menge bzw. Konzentration bedurfte aber einer anderen Technik. Die Pflanzenschutzkollegen müssten einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass Gesteinsmehle egal ob basisch oder sauer zu Boden sinken oder die Öle der Kollegen auf dem Wasser schwimmen und somit mit der gängigen Technik nicht erfolgversprechend ausgebracht werden können.
Die Kollegen vom staatlichen Pflanzenschutz zeigen immer mehr die Abhängigkeit zur www.fnl.de.
MFGDr. Friedhelm Berger
die Frage ist aber warum muss man immer wieder das Rad neu erfinden und unnötig Geld ausgeben (Verschwendung von Steuergeldern), wenn ich es damals bei BBA schon erforscht und publiziert hatte und genau darauf hingewiesen hatte! Anbei sende ich Ihnen eine Anleitung zum beproben zu, was natürlich meine Exkollegen in der BBA nicht kapieren wollen, sonst müssten sie ja früh morgens aufstehen! Prof. Naumann, Dr. Richter, Dr. Nachtigal BAFZ hatten zu DDR Zeiten auch schon so viel über Cankeraktivitäten publiziert, was ich nur mit unterschreiben kann. Auch Leute von NABU und BUND kapieren es nicht, dass die Entscheidung zwischen gut gedüngten Streuobstbeständen oder Blümchenwiese mit Magerblumen fallen muss, beides geht nicht am gleichen Standort.
Dr. Friedhelm BergerSehr geehrter Herr Dr. Berger,
besten Dank für Ihre Mail. Ich bin gespannt, ob Sie Recht haben mit der Hypothese, dass es der Feuerbrand ist. Gemeinsam mit der Biologischen Bundesanstalt in Dossenheim müßte sich das eigentlich klären lassen.
mit freundlichen GrüßenGeorg Ehring
Immer wieder kommt es vor, dass von befallsverdächtigem Pflanzenmaterial von Obstbauern aber auch von Pflanzenschutzfachleuten Proben gezogen werden und der Erreger Erwinia amylovora nicht nachgewiesen werden kann! Meistens können Pseudomonaden nachgewiesen werden, die aber nicht die verantwortlichen Erreger waren, sondern nur als Saprophyt auf dem schon geschwächten Holz vorkamen. Trotzdem sterben die Bäume nach wenigen Jahren ab, indem sie bedingt durch Canker immer kahler werden und im Spätsommer bis Herbst vermehrt eine frühe Herbstfärbung in rot (saure Böden) oder gelb (basische Böden) zeigen.
Ist Erwinia amylovora ein Epiphyt (oberflächlich auf den Blättern bzw. in den Blüten lebend) oder ein Endophyt (im Pflanzengewebe lebend)?
Auch diese Frage ist für die Probenahme von Bedeutung. Canker stoßen nur bei hoher relativer Luftfeuchte (> 70 %) Bakterienschleim (mit Levan- und Amylovan-Schleimhülle) aus. Dieser wird durch Wind, Regen und Insekten auf andere Pflanzenoberflächen gebracht. Solange die Bakterien die schützende Schleimhülle haben, sind sie fast nicht zu vernichten. Unter trockenen Bedingungen gehen die Bakterien mit Schleimhülle in Ruhe und können noch nach Jahren dann unter feuchten Bedingungen und Vorhandensein von Zucker sich wieder vermehren! Sofern die Schleimhülle aber verzehrt wurde und die Bakterien dann keinen Zucker finden, gehen sie dann unter trockenen Bedingungen sehr schnell zugrunde!
D. h. Erwinia amylovora ist eigentlich nur ein bedingter Epiphyt! Während der Blütezeit kann der Erreger sich in den Blüten vom Nektar und später auf den Blättern von Honigtau, ausgeschieden von Blattläusen oder Blattsaugern, vermehren! Wenn Honigtau vorhanden ist kann er jede Gattung befallen und aus dem Honigtau organische Säuren produzieren, die dann phytotoxisch wirken. Findet er keine freien Zucker vor, geht der Erreger ohne schützende Schleimhülle sehr schnell zugrunde! In der restlichen Zeit ist er ein absoluter Endophyt und vermehrt sich nur im Pflanzengewebe! (Thomson 2000, Berger 1996, Miller 1984.
Konsequenzen für die Probenahme:Um einen positiven Nachweis sicher später führen zu können, muss bei Nichtregentagen die Probe in den frühen Morgenstunden (3-7 Uhr) gezogen werden, solange die Luftfeuchte noch hoch und der Erreger noch nicht vertrocknet ist! Während der Blütezeit oder bei Vorhandensein von Honigtau kann oft auch außerhalb der Tauphase der Erreger gesammelt und nachgewiesen werden.
Probenahme abhängig von der später verwendeten Untersuchungsmethode!Möglichst sterile Einweghandschuhe benutzen!
Die sicherste und sensitivste Untersuchungsmethode ist die Polymerase Kettenreaktion (Polymerase chain reaction = PCR) (Bereswill et al. 1992, 1993, Berger 1996). Nur wenn dieses Verfahren nicht zur Verfügung steht, sollte das konventionelle Plattenausstrichverfahren verwendet werden!
Der Nachteil beim konventionellen Plattenausstrichverfahren, besteht in der geringeren Sensitivität, dem höheren Zeitaufwand und oft auch an der fehlenden Erfahrung beim Erkennen verdächtiger Bakterienkolonien auf den Agarplatten. Ein Bakteriologe muss nämlich in gleicher Weise auf den Agarplatten verdächtige Kolonien suchen, wie ein Obstbauer an seinen Bäumen die Canker!
Für beide Verfahren ist es notwendig, dass der Probezieher die Übergangszone von lebendem zu totem Gewebe (Canker, Triebe) findet und diese dann einschickt! Nur in den seltesten Fällen hat man das Glück Bakterienschleim direkt zu finden!
Wird das Probematerial in Plastiktüten gesammelt und im Auto verwahrt, kommt es recht häufig vor, dass es im Sommer zu einer Überhitzung kommt (>40° C) und dadurch die Bakterien absterben! Zwar können mit der PCR z. T. auch tote Bakterien nachgewiesen werden, doch meistens ist deren Dichte im Material nach Waschung zu gering! Wird das Material beim Transport zu stark gekühlt (<10° C), vermehren sich einseitig Pseudomonaden, wodurch wieder das Untersuchungsergebnis gerade bei konventionellem Plattenausstrichverfahren verfälscht wird! Bleibt das Material feucht ohne Zucker als Nahrung liegen und wird nicht gleich aufbereitet, sterben die Erwinia amylovora Bakterien ohne Schleimhülle ab!
Deshalb folgende Vorgehensweise:
Für konventionelles Plattenausstrichverfahren:
In sterilen Plastiktüten das Material wie oben beschrieben sammeln und bei Temperaturen zwischen 10-20° C möglichst schnell (3-4 h) transportieren und sofort aufbereiten! Bakteriologen mit entsprechender Erfahrung können wie bei der PCR ein Anreicherungsmedium verwenden.
Für PCR:
Herstellung von Schüttelnährmedium, Abfüllen in Literflaschen mit 0,5 l Flüssigkeit und autoklavieren. Sofern kein Labor zur Verfügung steht, kann im Notfall auch mit Hilfe eine Eindünsttopfes das Schüttelmedium steril gemacht werden (100° C) . Sind keine Labormaterialien vorhanden, eignet sich auch das unten beschriebene Alternativmedium.
Nutrient Saccharose Calcium Medium (NSC)
Nutrient Broth 8 g
Saccharose 50 g
Ca-Carbonat CaCO3 50 g
H2O dest. 1000 ml
Alternativmedium
150 g Bäckerhefe
150 g Zucker
150 g Ca-Carbonat CaCO3
1 l Wasser
Die so vorbereiteten Literflaschen können direkt mit auf das Feld genommen werden. Probematerial zum oben beschriebenen Zeitpunkt mit Einweghandschuhen entnehmen und in vorbereitete Flaschen geben. Schnittwerkzeug oder Messer mit Flamme desinfizieren! Flaschen bei Temperaturen zwischen 10° - 27° C transportieren. Vorteil dieses Transportverfahrens liegt in der schnellen Vermehrung der Bakterien schon während des Transportes! Das Auto ersetzt den Schüttler im Labor! Weitere Vorgehensweise im Labor siehe Dissertation Berger (1996).
Die Aussage es konnte Erwinia amylovora nicht nachgewiesen werden, bedeutet aber nicht, dass es nicht doch Feuerbrandmaterial war! Deshalb sieht die Feuerbrandverordnung auch das Handeln bei Verdacht vor!
Literatur:
Bereswill S, Pahl A, Bellemann P, Berger F, Zeller W and Geider K (1993) Efficient detection of Erwinia amylovora by PCR-analysis.- Acta Hort. 338, 51-58
Bereswill S, Pahl A, Bellemann P, Berger F, Zeller W und Geider K (1992) Der sensitive und spezifische Nachweis des Feuerbranderregers Erwinia amylovora durch die Polymerase-Kettenreaktion (PCR).- Mitt. Biol. Bundesanst. 283, 327
Berger F (1996) Untersuchungen zur Epidemiologie des Feuerbrandes Erwinia amylovora ((Burrill) Winslow et al.) unter besonderer Berücksichtigung der Prognose der Krankheit. - Dissertation im Fachbereich Gartenbau der Universität Hannover. - 1-258.
Miller H J (1984) Erwinia amylovora detection and its significance in survival studies. - Acta Hort. 151, 63-68.
Thomson S V (2000) Epidemiology of fire blight 9-36. - Fire blight, the disease and its causative agent, Erwinia amylovora, edited by J L Vanneste. Cabi Publishing.